Zweikanalton Einführung zeigen

Dieser Bereich befasst sich mit den sehr rar gestreuten Ausstrahlungen von Zweikanaltonsendungen im deutschen Fernsehen. Genauer gesagt geht es um die Sendungen, welche zusätzlich zur deutschen Fassung mit dem Originalton in der Originalsprache (z.B. Englisch) gesendet werden.

Eine solche Ausstrahlung ist in Deutschland sehr problematisch, da die meisten Sender unverschlüsselt (Free TV) per Satellit in ganz Europa zu empfangen sind. Das heißt, nur für die zusätzliche Ausstrahlung der Originaltonspur wären Rechte/Lienzen für das gesamte Empfangsgebiet zu zahlen, die sich sicher kein Sender leisten will. Deshalb heißt es bei angekündigten Zweikanaltonsendungen auch immer so schön: "... ist nicht über Satellit verfügbar".

Dass es überhaupt solche Sendungen gibt, ist den Öffentlich Rechtlichen zu verdanken. Eigentlich nur der ARD bzw. den 3. Programmen und 3sat sowie arte, da das ZDF sich auf Hörfilme beschränkt, bei denen der 2. Kanal als Audiodeskription für Sehbehinderte dient. Sicherlich auch eine gute Sache, aber ausbaufähig.

Die Verbreitung im Zweikanalton ist also nur örtlich gegeben und beschränkt sich damit auf den terrestrischen Empfang. Zur Verbreitung im Kabel kann ich (glücklicherweise) keine Angaben machen, da ich diese Art der Verbreitung mit zusätzlichen Gebühren neben GEZ für Free TV nicht unterstütze. Da die analog-terrestrische Ausstrahlung Schritt für Schritt abgebaut wird und durch DVB-T ersetzt wird, möchte ich mich auf diese Art der Verbreitung beschränken. In den noch verbliebenen analog versorgten Gebieten sollte aber ein Zweikanaltonempfang ebenfalls möglich sein.

Da die Verbreitung von DVB-T noch in vollem Gange ist, ist es auch schwer eine generelle Aussage über die Ausstrahlung des Zweikanaltons in den einzelnen Gebieten zu machen. Ich kann mich, denke ich, glücklich schätzen im Gebiet Berlin/Potsdam zu wohnen, da dort die Verbreitung von DVB-T in Deutschland begann. Zu Beginn gab' es allerdings noch Probleme mit DVB-T-Receivern, welche nicht die Möglichkeit der Auswahl eines der 2 Sterokanäle als Mono-Kanal boten, sodass die beiden Sprachen überlagert zu hören waren und nicht getrennt werden konnten. In Zeiten von Digitaler Verbreitung und aufgrund der Tatsache, dass alle neueren Sendungen von Natur aus mindestens Stereoton bieten, ist es sowieso unangebracht die Originalsprache auf den 2. Kanal des Stereostreams zu legen, da dieser dann zu zwei Monokanälen degradiert wird. Wahrscheinlich ist dies auch der Grund warum hauptsächlich? ältere Filme und Serien aus Monozeiten im Zweikanalton gesendet werden. Jedenfalls war dann eine Zeit lang kein Originalton bei der ARD verfügbar.

Als ich jedoch vor kurzem durch Zufall einen Teil eines nächtlichen Films der ARD aufnahm und ich feststellte, dass er im Zweikanalton (2x Mono) gesendet wurde, kam ich wieder auf den Geschmack. Eine Recherche bei tvtv.de ergab auch ein paar Suchtreffer für Zweikanaltonsendungen. Davon viele u.a. beim ZDF "nur" mit Audiodeskription. Das Ergebnis dieser und weiterer Recherchen werde ich versuchen auf dieser Seite unterzubringen.

Das Angebot ist sicherlich mager und deshalb schielen viele an den Englischen Originalen interessierte zu den europäischen Nachbarn, wo die gleichzeitige Ausstrahlung in Originalsprache viel verbreiteter ist. Als Beispiel seien Östereich und Schweiz genannt. Der Sender ORF1 hat Beispielsweise vor kurzem die Serie "Desperate Housewives" mit Originalton gesendet. Allerdings beide Sprachen in Stereo, denn - dank DVB technisch machbar - ist ein zusätzlicher Stereostream für den Originalton viel eleganter. In der Schweiz ist das Schweizer Fernsehen mit den Sendern SF1 und SF2 noch weit besser denn die haben sich vor ein paar Jahren vorgenommen so viele Sendungen wie möglich mit Originalton zu senden und scheinen dies auch zu tun. Der Trick an der ganzen Sache ist, dass unsere europäischen Nachbarn mit einer Grundverschlüsselung arbeiten und damit den Zuschauerkreis von vornherein einschränken, sodass sie Originalton sogar über Satellit anbieten können.

Aktuelle und kommende Zweikanalton-Sendungen (Update: 25.04.2006)

 

Titel: Grey's Anatomy
Originaltitel: Grey's Anatomy
Sender: ORF1 (Österreich)
Ausstrahlung: Do gg 22:00 seit 09.03.2006
Länge: 45 Min.
2-Kanalton: Deutsch / Englisch
Beobachtung: Derzeit fast die einzige Sendung mit Mehrkanalton beim ORF

Meredith Grey hat ihr Medizinstudium abgeschlossen. Nun warten auf sie die harten Lehrjahre als Assistenzärztin im Seattle Grace Hospital. Gemeinsam mit den Assistenzärzten Cristina, Izzie, George und Alex beginnt sie ihre Arbeit in der Internen Abteilung des Krankenhauses. Gleich am ersten Tag erwartet Meredith eine unangenehme Überraschung. Der One-Night-Stand, den sie sich abends zuvor gegönnt hatte, entpuppt sich als Arzt und als ihr neuer Boss im Seattle Grace Hospital.
(Quelle: tvtv.de)

 

Titel: Marvi Hämmer präsentiert "National Geographic World"
Originaltitel: -
Sender: ZDF
Ausstrahlung: So 08:35 ab 26.03.2006
Länge:
2-Kanalton: Deutsch / Englisch

Die 3D-anmierte Ratte Marvi Hämmer ist wieder da. 20 Folgen präsentieren einzigartige High-Class-Dokumentation mit Makroaufnahmen, Naturbildern und spannenden Filmbeiträgen aus der Welt des Wissens. Für diesen Zweck wurden Dokumentationen von "National Geographic" für Kinder bearbeitet. Unterstützt wird "Marvi" dabei von dem World Reporter-Team Roberto, Jaycee und Mingh - den internationalen Ratten-Reportern in 2D-Animation. Frech und informativ kommentieren die drei Nager, die ausschließlich Englisch sprechen, die Beiträge und erleben in jeder Folge ein kleines Abenteuer.
Die clevere Ratte Marvi Hämmer lebt heimlich in einem Fernsehstudio. Wenn die Menschen vom Fernsehen das Studio verlassen, heißt es für ihn "It's Showtime". Das freche Nagetier hat eine große Leidenschaft für naturwissenschaftliche Themen, für Geschichten über Forscher und Expeditionen aus aller Welt. Im Studio hat Marvi jede Menge spannender Filme gebunkert, die ihm zeigen, wie aufregend die Welt draußen ist.

In jeder Folge zeigt die freche Studioratte drei Dokumentationen und ein kurzes Abenteuer seiner World Reporter: In der ersten Dokumentation präsentiert Marvi eine spannende Reportage über Carsten Peter. Der international bekannte Fotograf steigt tief in einen Vulkankrater auf einer unbekannten Insel im Südpazifik, um faszinierende Fotos von einem Lavasee zu machen.

Im zweiten Film geht es unter Wasser ins karibische Meer. Hier zeigt Marvi wie Delfine leben und wie sich die beliebten Säugetiere untereinander verständigen.

Im dritten Film nimmt Marvi die roten Feuerameisen unter die Lupe, die zu den aggressivsten ihrer Art zählen. Eindrucksvolle Makroaufnahmen ihres Ameisenbaus und der Kampf mit einer Libelle veranschaulichen die Fähigkeiten der kleinen Krabbler.

 

Titel: Fast wie Zuhause
Originaltitel: Union Square
Sender: SR / SWR BW / SWR RP
Ausstrahlung: Mo 10:10 / 10:35 ab 24.04.06
Länge: je 25 Min.
2-Kanalton: Deutsch / Englisch
Beobachtung: -

-

 

Titel: 1984
Originaltitel: Nineteen Eighty-Four
Sender: ARD
Ausstrahlung: Do 27.04.06 00:20 (Fernsehtag 06:00 - 05:59 Uhr!)
Länge: 105 Min.
2-Kanalton: Deutsch / Englisch
Beobachtung: -

Der Angestellte Winston Smith versucht, der Überwachung einer totalitären Diktatur zu entkommen, in welcher alle persönlichen Gefühle und Gedanken verboten sind. Er führt ein Tagebuch und verliebt sich in die Dissidentin Julia. Als er jedoch mit dem gebildeten Parteifunktionär O'Brien über seine Zweifel redet, wird er von diesem verraten und einer brutalen Gehirnwäsche unterzogen. Michael Radfords Adaption von George Orwells Roman ist eine beklemmende Studie totalitärer Systeme mit Richard Burton in seiner letzten großen Rolle.

Winston Smith (John Hurt) arbeitet als kleiner Angestellter im "Wahrheitsministerium", wo die herrschende Diktatur die Nachrichten in die Sprache der jeweiligen Tagespropaganda übersetzten lässt. Apathisch nimmt er an den Massenaufmärschen teil, doch innerlich hat er sich längst distanziert. Heimlich schreibt er ein Tagebuch, um die Erinnerung gegen das befohlene Vergessen zu konservieren. Es gelingt ihm, diese verbotene Tätigkeit vor dem riesigen Teleschirm zu verbergen, durch den der "Große Bruder" die gesamte Bevölkerung überwacht. Das Regime verbietet neben der Gedankenfreiheit aber auch jegliche Gefühle. Dennoch lässt sich Winston auf eine rebellische Liebesaffäre mit der jungen Dissidentin Julia (Suzanna Hamilton) ein. Er mietet bei dem Pfandleiher Charrington (Cyril Cusack) ein Liebesnest, in dessen schäbiger Atmosphäre die beiden zum ersten Mal ein schwaches Gefühl von Individualität erleben. Winston fühlt auch eine Wahlverwandtschaft mit dem gebildeten Parteifunktionär O'Brien (Richard Burton), in dem er einen Sympathisanten der Widerstandsbewegung zu erkennen glaubt. Winston trifft sich mit ihm zu Gesprächen in dessen Wohnung und bekommt ein Buch des verfemten Oppositionellen Goldberg geschenkt. Winston fühlt sich sicher, doch plötzlich liefert Charrington ihn und Julia der brutalen Gedankenpolizei ans Messer. Der entsetzte Winston wird von seinem vermeintlichen Freund O'Brien einer grausamen Gehirnwäsche unterzogen, um nicht nur seine Erinnerung, sondern auch seinen Geist zu brechen. Winston widersteht der Folter - bis O'Brien ihn in den berüchtigten Raum 101 bringen lässt, wo sein schlimmster Albtraum zur Realität wird.

Michael Radford gelang eine beklemmend-authentische Verfilmung von George Orwells 1948 erschienenem Roman. Dessen Witwe Sonia erlaubte Radford nur eine naturalistische Inszenierung ohne Science-Fiction-Effekte. Das entsprach der Intention Orwells, der seinen Roman nicht als futuristische Prognose, sondern als grimmige Satire auf seine Entstehungszeit sah. Kameramann Roger Deakins gab den Bildern des zerstörten Nachkriegs-London mit silbrig gebleichten Farben einen unwirklichen Stil. Richard Burton starb wenige Wochen nach dem Ende der Dreharbeiten.

 

Archiv der Zweikanalton-Sendungen

Titel: Blinkende Lichter
Originaltitel: Blinkende Lygter (2000)
Sender: 3sat
Ausstrahlung: Mi 01.03.2006 22:25
2-Kanalton: Deutsch / Dänisch
Beobachtung: Kein Zweikanalton über DVB-t (Berlin/Potsdam)

Bei seinem letzten Coup manövriert sich ein erfolgloser Ganove mitsamt seiner Bande in haarsträubende Situationen. - Eine außergewöhnliche Gangsterkomödie, die mit überraschenden Wendungen und kauzigen Charakteren für beste Unterhaltung à la Quentin Tarantino sorgt.

Bei Torkild läuft alles schief: Zusammen mit seiner Gang, den Jugendfreunden Peter, Arne und Stefan, hat sich Torkild jahrelang durchs Leben gestohlen, geschmuggelt und gehehlt, ohne den wirklich großen Coup zu landen. Im Gegenteil - es läuft richtig schlecht: Die Bande erledigt ihre Jobs auf eine Art, die jeden ordentlichen Kriminellen in die Depression treibt. Sie arbeitet nur noch als "Subunternehmer" für professionelle Gangsterbanden, denen Torkild Geld schuldet. Ausgerechnet an seinem 40. Geburtstag verlässt ihn seine Freundin Therese. Da beschließt Torkild, dass Schluss sein soll mit Waffen, Verbrechen und ewiger Flucht. Ein allerletzter Bruch soll ihm und seinen Jungs ein sorgenfreies Leben ermöglichen. In diesem Moment bietet sich die Chance des Lebens: Der "Faröer", ein berüchtigter Pate, beauftragt Torkilds Bande, einen Geldkoffer zu stehlen. Der Überfall gelingt. Als sie, berauscht vom Erfolg ihres Coups, feststellen, dass sie plötzlich mit vier Millionen Kronen in den Händen dastehen, beschließen sie, mit dem Geld abzuhauen - dorthin, wo es warm ist, in den Süden. Doch damit handeln sie sich jede Menge Probleme ein und müssen sich auf ihrer Flucht sogar als Restaurantbesitzer tarnen.

Skandinavische und besonders dänische Filme sind bekannt für ihre oft aberwitzige Mischung von Komödie, Drama und Krimi, die den Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle stürzt. Diese Eigenschaft trifft besonders auf "Blinkende Lichter" zu, das Spielfilmdebüt von Anders Thomas Jensen, der aus einer Anhäufung kauziger Charaktere und kurioser Wendungen sowie mit jeder Menge Wortwitz ein Feuerwerk an verrückten Situationen und schwarzem Humor veranstaltet. Komik und Entsetzen liegen bei ihm so nah beieinander wie sonst fast nur bei Quentin Tarantino.

Seit Jahren sind skandinavische Krimiautoren auf den Bestsellerlisten in Deutschland. Die rege Fantasie der Autoren hat auch die Regisseure der skandinavischen Länder angeregt, deren Filme eine große Bandbreite von Kriminalfilmen und Thrillern abdecken, vom Krimidrama über den klassischen Detektivfilm bis zum Psychothriller. In seiner fünfteiligen Reihe "Skandinavische Krimis" präsentiert 3sat Spielfilme mit Fällen, bei denen nicht nur die Auflösung reizvoll ist.
(Quelle: tvtv.de)

 

Titel: Der Brief
Originaltitel: La Lettre / A Carta (1999)
Sender: WDR
Ausstrahlung: So 05.03.2006 01:10
2-Kanalton: Deutsch / Französisch (nicht über Satellit)
Beobachtung: Kein Zweikanalton über DVB-t (Berlin/Potsdam)

Mademoiselle de Chartres heiratet den älteren und angesehenen Arzt Jacques de Clèves, obwohl sie ihn nicht liebt. Sie will ihm eine treue Ehefrau sein, was ihr schwer fällt, als ihr ein berühmter Popsänger Avancen macht. Sie verliebt sich in ihn und gerät in große Gewissensnot. Sie will sich ihrem Ehemann anvertrauen, mit ihm über ihre Probleme reden, doch der überlebt den Schock ihrer "Beichte" nicht. Witwe nun, könnte sie sich für den Popsänger entscheiden. Doch sie verschwindet aus der feinen Gesellschaft. Später kommt ein Brief aus Afrika, wohin sie sich zurückgezogen hat, um als Missionarin Gutes zu tun.

Der große portugiesische Regisseur Manoel de Oliveira, inzwischen 97 Jahre alt, hat sich von einem Roman aus dem 17. Jahrhundert ("La Princesse de Clèves" von Madame de La Fayette) inspirieren lassen und daraus eine Edelsoap destilliert, die eben so anrührend wie amüsant ist. Die Handlung spielt natürlich nicht mehr im 17. Jahrhundert am königlichen Hof unter Prinzessinnen und Prinzen, sondern in der feinen Gesellschaft der Großbourgeoisie. Manoel de Oliveira lässt kein Klischee des Melodrams aus, er kultiviert geradezu die Qualität dieses Genres und veredelt es durch seine elegante Inszenierung und die überzeugende Ausdruckskraft seiner Darsteller. Dafür wurde er mit dem Preis der Jury des Filmfestivals von Cannes 1999 ausgezeichnet.
(Quelle: tvtv.de)

 

Titel: Aufruhr in Holly Springs
Originaltitel: Cookie's Fortune (1999)
Sender: BR
Ausstrahlung: Di 07.03.2006 23:40
2-Kanalton: Deutsch / Englisch
Beobachtung: Keine Ahnung, gibt kein BR über DVB-t in Berlin/Potsdam

Die Witwe Jewel "Cookie" Orcutt wird tot aufgefunden. War es Selbstmord oder Mord? Nur Cookies Nichte Camille kennt die Wahrheit, trägt aber nichts zur Aufklärung des Falls bei - im Gegenteil. Schon bald sprießen die wildesten Spekulationen über den Hergang der Tat wie Pilze aus dem Boden. Fast scheint es so, als seien nahezu alle Einwohner von Holly Springs in den Tod der alten Dame verwickelt.

Mit "Aufruhr in Holly Springs" gratuliert das Bayerische Fernsehen Robert Altman - Jahrgang 1925 - zu seinem ersten Oscar. Nach fünf erfolglosen Nominierungen hatte man endlich ein Einsehen: Das Enfant terrible der amerikanischen Filmbranche wird bei der Hollywood-Gala am 5. März für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Mit "Aufruhr in Holly Springs", 2000 für den "Goldenen Bären" in Berlin nominiert, setzte der vielfach ausgezeichnete Regisseur Robert Altman seine Reihe mit Satiren über die moderne Gesellschaft fort. Seine "amüsante Gesellschaftssatire gibt auf liebevolle und zugleich sehr präzise Weise Atmosphäre und Lebensweise des amerikanischen Südens wieder. Zum Gelingen tragen zudem das Drehbuch, das plastische Charaktere und charmante Handlungsdetails aufweist, sowie das prominente Darsteller-Ensemble bei" (Lexikon des Internationalen Films). In seinem neuesten Film "A Prairie Home Companion" (er startet im April 2006 in Italien, im Juni in den USA) nimmt Altmann das Milieu der legendären Radioshows aufs Korn.

Willkommen in Holly Springs, einem miefigen Provinznest im Süden der USA. Das ganze Kaff ist in Aufruhr: Ausgerechnet am Osterwochenende wird die reiche Witwe Jewel Mae "Cookie" Orcutt tot aufgefunden. War es Mord oder hat sich die alte Frau das Leben genommen? Cookies bigotte Nichte Camille Dixon kennt die Wahrheit. Sie hat die Leiche gefunden und alle Hinweise auf den Suizid, wie z. B. den Abschiedsbrief der alten Dame, verschwinden lassen. Denn was für eine Schande für die Familie wäre dieser skandalöse Selbstmord?! Als Theaterregisseurin von Holly Springs benutzt sie ihr Wissen, um einen scheinbaren Mord zu inszenieren. Der schwarze Hausmeister Willis, der bei Cookie wohnte und zum großen Missfallen von Camille wie ein Familienmitglied behandelt wurde, gerät unter Mordverdacht und wird verhaftet. Allerdings hat die Polizei erhebliche Zweifel an seiner Schuld. Genauere Nachforschungen des externen Ermittlers Otis Tucker fördern bald unglaubliche und zugleich sehr komische Fakten zu Tage, die Camilles unselbstständige und schüchterne Schwester Cora genauso in den Fall hineinziehen wie deren rebellische Tochter Emma. Der Tod von Cookie verändert das bis dahin so beschauliche Südstaatenstädtchen ein für alle Mal.

Robert Altman ist auch mit "Aufruhr in Holly Springs" seinem Lieblingsgenre treu geblieben: Nachdem er mit "The Player" Hollywood und mit "Prêt-à-Porter" die Welt der Haute Couture unter die satirische Lupe genommen hat, sind diesmal die Südstaaten der USA Schauplatz für Altmans Studien. Unterstützt wird er, wie üblich, von einem hervorragenden Schauspielerensemble. Den Soundtrack zu "Aufruhr in Holly Springs" komponierte David A. Stewart, vielen sicher in bester Erinnerung als der männliche Teil des in den frühen 80er-Jahren gegründeten, sehr erfolgreichen Duos "Eurythmics".
Altmans "ruhige Komödie, die sich mit dem reduzierten Tempo des amerikanischen Südens entfaltet, ist eine Familienschauergeschichte voller schwarzem Humor und mit viel Sympathie für die Charaktere. Die Kleinstadt als Bühne für eine witzige Vorstellung vom Leben samt Mord und Totschlag, geprägt durch Lügen, Neid und Missgunst. Dazu lässt Altman seinen wunderbaren Darstellern viel Freiraum für Interpretation, vor allem Glenn Close und Charles S. Dutton spielen wirklich herrlich!" (Markus Aicher)

Altmeister Robert Altman - er wurde für den "Goldenen Bären" bei der Berlinale nominiert, der "Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater" ging an ihn - "zügelte seinen Zynismus gegenüber dem 'American Way of Life' zu weiser Ironie, lässt sogar Herzlichkeit für seine skurrilen Charaktere erkennen. Das tut der Qualität des Films keinerlei Abbruch, im Gegenteil - entspannt, gespannt und amüsiert verfolgt der Zuschauer die kleinen Machtspiele zwischen Niedertracht und Großmut ..." (AZ).

Weitere Informationen zu Robert Altman:
Am 20. Februar 1925 als Sohn eines Versicherungsvertreters in Kansas City geboren, hatte Altman ein abgebrochenes Studium, eine Karriere als Bomberpilot in Ostasien während des Zweiten Weltkriegs und als Hundetätowierer in New York hinter sich, bevor er die ersten Kurzgeschichten und Hörspiele verfasste und schließlich - 1955 - seinen ersten Spielfilm "The Delinquents" inszenierte. Doch dabei blieb es zunächst: Altman drehte eine TV-Serienfolge nach der anderen, u. a. für "Bonanza", "Alfred Hitchcock präsentiert", "Peter Gunn" und "Bronco".
1963 gründete er "Lion's Gate", seine eigene Produktionsfirma, trennte sich bald vom TV-Geschäft und kehrte schließlich mit "Countdown: Start zum Mond" (1968) zum Kino zurück. Zwei Jahre später war es so weit: Altman drehte seine Militärsatire "M.A.S.H", gewann die Goldene Palme von Cannes und das Publikum. Im selben Jahr inszenierte er mit der bizarren Komödie "Nur Fliegen ist schöner" seinen "persönlichsten" Film (Altman), koproduziert von der eigenen Firma.
"Zum Gipfelsturm setzte er 1992 mit der sarkastischen Hollywood-Verlade 'The Player' an, und seit 1993 sein genialer 30. Wurf 'Short Cuts' zum Kultfilm und Stichwortgeber eines ganzen Genres wurde, ist Altman einer der Regie-Olympier Amerikas, ein innovativer Virtuose, dessen Hunger auf Neues nach jedem Meisterwerk zu wachsen scheint" (Stefanie Schild). So entstanden u. a. "Prêt-à-Porter" (1995, Buch, Produktion, Regie), seine sarkastische Auseinandersetzung mit seiner Heimatstadt "Kansas City" (1996, Buch, Produktion, Regie), die Grisham-Adaption "The Gingerbreadman" (1998, Regie), die schwarze Südstaaten-Satire "Cookie's Fortune - Aufruhr in Holly Springs" (1999, Produktion, Regie), die ironische Arzt-Komödie "Dr. T and the Women" (2000), sein grandioses Gesellschaftspanorama Englands in den 30er-Jahren "Gosford Park" (2001) und sein außergewöhnlicher Tanzfilm "The Company - Das Ensemble" (2003), in dem Altman neben seinen Schauspielern auch das gesamte Chicagoer Ballett dirigierte.
Das letzte Projekt des Workaholic war eine Theaterinszenierung: Am 14. Februar brachte er am Londoner Old Vic Theatre mit Maximilian Schell in der Hauptrolle "Resurrection Blues", das letzte Stück des US-Dramatikers Arthur Miller, heraus. Ans Aufhören denkt er erst, "wenn der Tod mich holt, denn das Filmen bietet die einmalige Gelegenheit, viele Leben zu führen". Zurzeit arbeitet er an einer satirischen Komödie im Milieu der legendären Radioshows: "A Prairie Home Companion" wird im April 2006 in Italien uraufgeführt, im Juni folgt der US-Start.
Am 5. März kann Robert Altman, der sich immer wieder mit dem Hollywood-System angelegt hatte, endlich seinen ersten Oscar entgegennehmen. Die Branche ehrt ihn für sein Lebenswerk - nach fünf Nominierungen ("M.A.S.H.", "Nashville", "The Player", "Short Cuts", "Gosford Park") verneigt sich die Branche vor dem Rebellen, der inzwischen Kultstatus erreicht hat.
(Quelle: tvtv.de)

 

Titel: Happy Birthday, Jerry Lewis ("Michael Mittermeier trifft Jerry Lewis")
Originaltitel: -
Sender: ZDF
Ausstrahlung: Mi 15.03.2006 22:45
2-Kanalton: Deutsch / Englisch
Beobachtung: 2. Tonspur ohne deutsches Voice Over war über DVB-t (Berlin/Potsdam) zu empfangen, aber auch bei dieser Sendung nicht über Satellit.

Jerry Lewis, einer der größten Entertainer aller Zeiten, ist erstmals im deutschen Fernsehen in einem ausführlichen Interview zu sehen. Michael Mittermeier, der wohl größte Jerry Lewis-Fan Deutschlands, trifft den "King of Comedy" anlässlich seines bevorstehenden 80. Geburtstages.

Generationen lieben Jerry Lewis für seine Verkörperung des sympathischen, trotteligen Losers, der gegen die Tücken des Alltags ankämpft. Seine filmischen Meisterleistungen in Sachen Slapstick prägten die Comedy-Szene entscheidend mit. Bis heute gilt er in seiner Komik als einmalig und unnachahmlich. Er ist das Vorbild für zahlreiche Comedians.

Gemeinsam lassen die beiden Comedy-Stars das aufregende und schillernde Leben des Altmeisters Revue passieren. Von der Arbeit mit Dean Martin und den berühmten Filmkomödien bis in die heutige Zeit reicht das Schaffenswerk des Komikers, Schauspielers, Sängers, Drehbuchautors, Regisseurs und Filmproduzenten.

Jede Menge Fotos, Filmsequenzen, Details über Dreharbeiten, Anekdoten und auch Stand-Up Einlagen warten auf den Zuschauer. Zu sehen ist das Zweipersonenstück mit und über Jerry Lewis am Vorabend seines 80. Geburtstages.
(Quelle: tvtv.de)

 

Titel: Maelström
Originaltitel:
Sender: WDR
Ausstrahlung: Mi 15.03.2006 23:30
2-Kanalton: Deutsch / ?
Beobachtung: -

Bibiane ist jung, schön und erfolgreich. Von Männern umschwärmt, Mittelpunkt aller Clubs ihrer Stadt. Der Wendepunkt kommt mit einem Unfall: Sie fährt einen Passanten an und begeht Fahrerflucht. Der Verletzte schleppt sich nach Hause und stirbt. - Bibiane unternimmt einen Selbstmordversuch und überlebt nur mit knapper Not. Der Sohn des Toten reist aus Norwegen an, um seinen Vater zu rächen. Zufällig lernt er Bibiane kennen und verliebt sich in sie. Sie verführt ihn, dadurch verpasst er sein Flugzeug. Und das stürzt ab. Bibianes Libido hat sein Leben gerettet. Schuld und Sühne, Todesnähe und das Glück des Überlebens entwickeln einen "Mahlstrom", dem sich weder die Figuren noch die Zuschauer entziehen können. Ruhender Pol in dem Strudel von Albträumen und Schuldgefühlen wird ein bunter Warzenfisch, der in seiner unterirdischen Kommandozentrale als eine Art Orakel fungiert und alle Ereignisse zu einem Netz von vorherbestimmten Ursachen und Wirkungen zusammenzieht. Dadurch wird die schwergewichtige Tragödie immer wieder zur augenzwinkernd schwarzen Komödie.
(Quelle: tvtv.de)

 

Titel: Das wahre Sexualleben der Belgier
Originaltitel: La Vie sexuelle des Belges 1950-1978
Sender: ARD
Ausstrahlung: Do 16.03.2006 00:20
2-Kanalton: Deutsch / Französisch
Beobachtung: -

Der sanfte Chaot und Möchtegern-Literat Jan Bucquoy erinnert sich mit fröhlicher Verzweiflung an sein wechselvolles Leben, an die kleinbürgerliche Kindheit mit der strengen Mutter und der freizügigen Tante Martha, an den ersten Liebeskummer und die Studentenzeit in politisierten Brüsseler Bierstuben. Der Tagträumer verliert allmählich seine Ideale, aber die Frauen faszinieren ihn noch immer. Der belgische Multi-Künstler und Bürgerschreck Jan Bucquoy drehte eine selbstironische Tragikomödie über den Frust der verlorenen sexuellen Revolution.

Jan Bucquoy (Jean-Henri Compere) wächst 1950 in der Enge eines kleinbürgerlichen Arbeiterhaushalts auf und lernt schon früh die Absurditäten des Lebens kennen. Seine strenge und sparsame Mutter Noella (Isabelle Legros) bringt ihm als Erstes das Wort "billig" bei. Sie feilscht selbst um den Preis des Sargs, in dem sein alkoholkranker Vater (Jacques Druaux) nach einem kargen, entbehrungsreichen Leben bestattet wird. Optimismus verbreitet nur Jans lebenslustige Tante Martha (Michèle Shor), die ihn unschuldig mit der weiblichen Anatomie vertraut macht. Sie versichert dem lesehungrigen Jungen, dass er ein großer Autor werden wird. Kurz darauf erhängt sie sich auf dem Dachboden. Die Frauen werden Jans Schicksal. Er verteidigt seine erste Liebe Christine (Kathleen Joyce) gegen hänselnde Mitschüler, aber sie wandert mit ihren Eltern in den Kongo aus. Erst zehn Jahre später sieht er sie auf einer Party in den Armen eines anderen wieder. Jan will endlich der provinziellen Enge und der Mutter entkommen, die ihn in die Buchhaltung einer Textilfabrik steckte. Er stürzt sich in das studentische Leben von Brüssel. Er ist fasziniert von den Parolen der sexuellen und politischen Revolution, doch er widmet sich mehr den Affären als dem Studium. Das ahnt die schwangere Studentin Thérèse (Sophie Schneider) nicht, als Jan sie heiratet. Bald ist sie bitter enttäuscht von dem chaotischen Tagträumer mit seiner Vorliebe für Flirts in langen Kneipennächten. Sie setzt ihn vor die Tür. Gekränkt provoziert Jan sie mit seinem angeblich überschäumenden Liebesleben. In Wirklichkeit hält der sanfte Single kaum mit dem Wandel der Zeiten Schritt. Nach dem bleiernen Herbst des Terrors wird Jan aus Frust Vegetarier. Er sucht die Liebe, doch die Frauen sind längst selbstbewusster geworden. Die Literatur-Kritikerin Marlène (Marlene Duelz) gibt ihm den letzten Anstoß, sich nur noch dem Schreiben zu widmen - aber da erscheint ihm schon wieder eine Frau - als göttliche Muse.

Dem 45-jährigen Brüsseler Aktionskünstler Jan Bucquoy gelang in seinem Regiedebüt eine schillernde Tragikomödie über spießige Bürger und frustrierte Rebellen. Bucquoy selbst ist als Dada-Poet zu sehen. Der Film wurde 1994 zum belgischen Kinohit.

 

Titel: Ein Vater zum Küssen
Originaltitel: "The Tony Danza Show" (1997)
Sender: SR / SWR RP / SWR BW
Ausstrahlung: Mo 20.02.2006 10:10/10:35, Mo 06.03.2006 10:10/10:35, Mo 13.03.2006 10:10/10:35, Mo 20.03.2006 10:10/10:35, Mo 27.03.2006 10:10/10:35...
Länge: 25 Min.
Zweikanalton: Deutsch / Englisch
Beobachtung: Kein Zweikanalton über DVB-t (Berlin/Potsdam), am 20.02.2006 war allerdings (aus Versehen?) per Satellit Zweikanalton zu empfangen, wurde am 06.03. aber "behoben"! Update: Auf SR über Satellit war auch am 20.03.2006 wieder Zweikanalton verfügbar, nicht jedoch bei SWR RP/BW!

"Ein Vater zum Küssen" (The Tony Danza Show) ist eine amerikanische Sitcom, produziert von NBC Studios Production. Die liebenswürdige Comedy um einen Vater, der zwischen der Ausübung seines Berufs und der schwierigen Erziehung seiner beiden pubertierenden Töchter im Alter von 13 und 16 einer nervenaufreibenden "Doppelbelastung" ausgesetzt ist, kehrt auf augenzwinkernde Weise die traditionellen Geschlechterrollen um und lief mit Erfolg im US-Fernsehen. Tony DiMeo wird gespielt von dem US-Fernsehstar Tony Danza. Der 1951 in den Slums von Brooklyn als Tony Iadanza geborene Italo-Amerikaner war zunächst ein aufstrebender Boxer (Mittelgewicht), bis er bei seinem elften Profikampf von einem Talentscout entdeckt wurde. Mit seinem Auftritt in der Sitcom "Taxi" (1978-83) avancierte Danza zu einem der beliebtesten und bestbezahltesten TV-Stars in den Staaten. "Ein Vater zum Küssen" knüpft an die Sitcom "Wer ist hier der Boss?" an, eine Show, die von 1984 bis 1992 erfolgreich im US-Fernsehen lief und in der Danza die traditionelle Männerrolle bereits satirisch aufs Korn nahm. In "Ein Vater zum Küssen" verkörpert Tony Danza einen auf liebenswürdige Art altmodischen Journalisten, der den Zeiten nachtrauert, als Zeitungsartikel noch mit der lärmenden mechanischen Schreibmaschine getippt wurden. Völlig hilflos ist Tony daher ohne seine Assistentin Carmen Cruz, die von der aus Kuba stammenden Maria Canals gespielt wird. Sie wurde durch die TV-Serie "My Family" bekannt und absolvierte Gastauftritte unter anderem in "Veronica's Closet" und "Caroline In The City". Gegenwärtig ist sie als Yolanda in "Beggars and Choosers" zu sehen, einer TV-Serie über Fernsehmacher. Tonys Vater Frank DiMeo wird gespielt von dem Leinwandprofi Dean Stockwell, der bereits als Kinderstar in den 40ern vor der Kamera stand und seither mit zahlreichen prominenten Regisseuren arbeitete, darunter David Lynch ("Blue Velvet") und Wim Wenders ("Paris, Texas"). Tonys 16-jährige Tochter Tina wird gespielt von Majandra Delfino, die sich als rebellische Teenager-Tochter in George Millers Familienkomödie "Zeus & Roxanne" für die "Tony Danza Show" empfahl. Tonys jüngste Tochter Mickey ist mit ihren 13 Jahren bereits eine ausgeprägte Hypochonderin, die ihren leidgeprüften Vater täglich mit neuen Allergien und Fieberanfällen überrascht. Der pummelige Portier Stuey wird gespielt von Shaun Weiss, der bereits in der Komödie "Pfundskerle" überzeugte.
(Quelle: ARD-Online)

 

Titel: Spiele der Welt
Originaltitel: -
Sender: WDR
Ausstrahlung: Di 21.03.2006 06:55 ("Fußball in England"), Mi 22.03.2006 07:00 ("Ba' Game in Schottland")
Länge:
2-Kanalton: Deutsch / ?

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Titel: Reports in English
Originaltitel: -
Sender: WDR
Ausstrahlung: Do 23.03.2006 06:30 ("Middle West USA - Homecoming at Glenwood High"), Fr 24.03.2006 06:30 ("Canada: Aboriginal Television"), Fr 24.03.2006 06:45 ("Asian Bradford")
Länge: je 15 Min.
2-Kanalton: Englisch / Deutsch

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Titel: Hohe Erwartungen
Originaltitel: High Hopes
Sender: ARD
Ausstrahlung: Do 30.03.2006 00:20
Länge: 105 Min.
2-Kanalton: Deutsch / Englisch
Beobachtung: -

Zum 70. Geburtstag ihrer Mutter treffen sich Sohn und Tochter mit ihren Partnern zu einer gezwungen-fröhlichen Feier, bei der ihre Unfähigkeit, miteinander ins Gespräch zu finden, ebenso zu Tage tritt wie ihr verschämt zum Ausdruck kommender Unwille, auf die Bedürfnisse der geistig verwirrten Mutter einzugehen, die sich nicht mehr artikulieren kann. "Hohe Erwartungen" ist eine zärtlich-ironische Tragikomödie und zugleich eine genaue Bestandsaufnahme der verlorenen Träume und Illusionen der späten Thatcher-Ära.

Der 35-jährige Cyrill (Philip Davis) ist ein Kurierfahrer, dessen Herz politisch links schlägt und der mit seinem zotteligen Bart und dem selbst gestrickten Pullover wie ein Relikt aus der Hippie-Generation der 70er Jahre wirkt. An die Revolution glaubt er nicht mehr, doch die Hoffnung auf eine bessere Welt hat er noch nicht ganz begraben. Cyrill bewohnt mit seiner Freundin Shirley (Ruth Sheen) ein bescheidenes Apartment in London. Die beiden haben immer eine offene Tür für verirrte Seelen wie etwa das Landei Wayne (Jason Watkins), der die Adresse seiner städtischen Verwandten nicht finden kann. Doch während Cyrill einerseits lange Reden über die soziale Ungerechtigkeit der ausklingenden Thatcher-Ära schwingt, werden andererseits seine Pflichtbesuche bei seiner Mutter (Edna Doré) immer kürzer. Die alte Frau sitzt apathisch in ihrem kleinen, von der Stadt finanzierten Reihenhaus im ehemaligen Arbeiterviertel, wo sich neuerdings die versnobte "Mittelklasse" breit macht. Als die Mutter sich beim Einkaufen aussperrt, erklärt sich die wohlhabende Nachbarin widerwillig bereit, die alte Dame kurz hereinzubitten und deren Tochter Valerie (Heather Tobias) zu verständigen. Diese rückt voller Neugier an, um nun zuallererst die Yuppie-Einrichtung der Emporkömmlinge zu begaffen. In diesem Sinne gilt denn auch die Geburtstagsfeier, die Valerie ihrer Mutter ausrichtet, weniger dem Anlass, als dem protzigen Vorzeigen des eigenen Hauses, in dem sie mit ihrem Mann (Philip Jackson) wohnt, einem geschmacklosen Angeber, der als Kleinunternehmer zu Geld gekommen ist.

Mit seinem zweiten Kinofilm "Hohe Erwartungen" ist dem britischen Regisseur Mike Leigh ("Naked", "Lügen und Geheimnisse") das Kunststück gelungen, eine präzise Bilanz der deprimierenden Thatcher-Ära zu ziehen, die filmisch jedoch kein bisschen deprimierend ist. Seine gekonnte Mischung aus Karikaturen, deren Bosheit den Puppen aus "Spitting Image" nicht nachstehen, und feinfühlig melancholischen Szenen wurde mehrfach preisgekrönt und von der Filmkritik gefeiert.
(Quelle: tvtv.de)

 

Titel: Der letzte Scharfschütze
Originaltitel: The Shootist
Sender: BR
Ausstrahlung: Di 04.04.2006 21:45
Länge: 95 Min.
2-Kanalton: Deutsch / Englisch?
Beobachtung: -

Im Jahre 1901 kommt der gealterte Revolverheld John B. Books nach Carson City und erfährt dort, dass er Krebs hat und ihm nur noch wenige Wochen zu leben bleiben. Er mietet sich in einer kleinen Pension ein. Als bekannt wird, wer er ist, lässt man Books keine Ruhe. So sucht er schließlich den Tod in einem letzten Showdown, wie er es sich schuldig zu sein glaubt.

Don Siegels Abgesang auf einen Kino-Mythos und seinen erfolgreichsten Protagonisten ist der letzte Film John Waynes geworden. Drei Jahre später - am 11. Juni 1979 - war sein langer Kampf gegen den Krebs endgültig verloren.

"Books' Welt ist schon tot, nun stirbt auch er. Er geht zum letzten Mal zum Metropol-Saloon, und das ist auch John Waynes letzter Ritt zum Hollywood-Saloon, aber deshalb muss man sich nicht erregen und nichts übertreiben" (Joe Hembus).

In Carson City fahren schon Autos und Pferdebahnen, als John Bernard Books in abgewetzter Western-Kluft ankommt und Dr. Hostetler aufsucht. Der betagte Arzt sagt dem Revolverhelden offen, woher seine Schmerzen rühren: Books hat Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Books nimmt daraufhin ein Zimmer in der Pension der Witwe Bond Rogers. Als ihr Sohn Gillom entdeckt, wer Books ist, möchte die verhärmte Frau ihn loswerden und ruft Marshal Thibido. Books sagt ihm widerstrebend, wie es um ihn steht, und darf bleiben. Aus der Abneigung von Mrs. Rogers wird Mitgefühl für den todkranken Mann. Dagegen versuchen andere, noch rasch Geschäfte mit Books und seinem Mythos zu machen. Der Zeitungsreporter Dobkins will ihn für ein Buch interviewen, seine ehemalige Freundin Serepta will ihn heiraten, um so zu schnellem Ruhm zu kommen. Zwei Banditen überfallen ihn in der Nacht und werden von ihm getötet. Der Beerdigungsunternehmer Beckum bietet an, ihm kostenlos eine prächtige Beerdigung auszurichten - zu Werbezwecken.

Angewidert und von wachsenden Schmerzen gequält, hat Books schließlich nur noch den Wunsch, sich einen angemessenen Abgang zu verschaffen. Durch Gillom lässt er drei Männer - Sweeny, den berüchtigten Spieler, den rachsüchtigen Pulford und den Krämer Cobb - in den Metropol-Saloon bestellen, um gegen sie zu seinem letzten Showdown anzutreten.

Don Siegel hat den Film als eine melancholische Reise durch die Hollywood-Legenden des Western inszeniert, wobei er John Wayne mit weiteren Altstars umgab, die sich von früheren gemeinsamen Filmen kannten, so James Stewart ("Der Mann, der Liberty Valance erschoss"), Lauren BacaIl ("Der gelbe Strom") und John Carradine ("Stagecoach", "Der Mann, der Liberty Valance erschoss"). Auch Richard Boone ("Alamo", "Big Jake") war ein alter Bekannter. Das Kino-Bild vom strahlenden Gunfighter wird unbarmherzig demontiert, wenn auch das offensichtlich von John Wayne beeinflusste Ende, ein furioser Kampf im Saloon, in scheinbarem Widerspruch dazu steht. Wayne war zur Zeit der Dreharbeiten von seinem Krebsleiden schon stark gekennzeichnet; er beeindruckt durch besonders nuanciertes Spiel. Don Siegel wiederum hat hier erneut bewiesen, dass er mehr ist als einer der besten Action-Regisseure Hollywoods.

Als John Wayne 1979 starb, hatte er einen jahrzehntelangen Kampf gegen den Krebs endgültig verloren, der kurze Zeit nach den Dreharbeiten zu John Waynes größtem Flop, dem "Western mit Mongolen und Tartaren" "Der Eroberer" begann, in dem er einen absurden Dschingis Khan spielte: 1955 hatte man mehrere Monate lang in der Escalante-Wüste von Utah gedreht, nahe der kleinen Stadt St. George und unweit des atomaren Testgeländes Yucca Flat, Nevada. Hier hatten die US-Streitkräfte seit 1953 ganze Serien überirdischer Nuklearexplosionen durchgeführt, die ein Vielfaches der Stärke der Hiroshima-Bombe erreichten. Erst in den drei Jahrzehnten danach wurde das ganze Ausmaß des Desasters offenbar. Die dreizehnwöchigen Dreharbeiten bei sengender Hitze und Sandstürmen im atomar verseuchten Snow Canyon von Utah, der ein natürliches Reservoir für den vom Testgelände herübergewehten radioaktiven Fallout bildete, hatte fatale Spätfolgen und kostete vielen Beteiligten das Leben. Niemals zuvor in der Geschichte Hollywoods haben so viele Menschen ahnungslos so große Opfer für einen einzigen Film gebracht. Von den 220 an der Produktion in Utah beteiligten Hollywood-Professionals erkrankten in der Folgezeit mehr als 90 an Krebs, von denen wiederum mehr als die Hälfte an den Spätfolgen starben - darunter Regisseur Dick Powell und die Hauptdarsteller John Wayne, Susan Hayward, Pedro Armendariz und Agnes Moorehead.

(Quelle: tvtv.de)

 

 

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